Rahmen und Größen
Die Rahmenform bestimmt Einstieg, Sitzposition und Stabilität. Die passende Rahmenhöhe richtet sich nach Körpergröße und Innenbeinlänge.
Diamantrahmen
Der Diamantrahmen ist die ursprüngliche Bauform des Sicherheitsniederrads aus dem späten 19. Jahrhundert. Er besteht aus zwei Dreiecken: ein vorderes Hauptdreieck aus Steuerrohr, Oberrohr, Sitzrohr und Unterrohr — und ein hinteres Dreieck aus Sitzrohr, Sitzstreben und Kettenstreben. Diese Konstruktion ist statisch ideal: leicht und steif zugleich. Sie wird heute beim Damenrad meist nur noch in sportlichen Trekking-Modellen verwendet, weil das hohe Oberrohr den Einstieg erschwert.
Trapezrahmen
Beim Trapezrahmen verläuft das Oberrohr schräg vom Steuerrohr nach unten zum Sitzrohr. Der Einstieg ist deutlich tiefer als beim Diamantrahmen, die Steifigkeit aber fast gleich gut. Trapezrahmen sind die beliebteste Kompromisslösung im modernen Damenrad-Segment: leichter Einstieg, sportliches Fahrgefühl, gute Belastbarkeit auch für Gepäckträger und Anhänger.
Tiefeinsteiger / Wave / Schwanenhals
Beim Tiefeinsteiger fehlt das Oberrohr ganz, das Unterrohr ist stark nach unten geführt — ähnlich einem Schwanenhals. Der Einstieg ist maximal niedrig. Klassisches Hollandrad-Design. Nachteil: Der Rahmen ist weniger steif, was bei Gepäcktransport oder bei E-Bikes mit kräftigem Mittelmotor durch ein verstärktes Unterrohr ausgeglichen werden muss.
Rahmenhöhe nach Körpergröße
Die Rahmenhöhe wird beim Damenrad meist am Sitzrohr gemessen — vom Tretlagermittelpunkt bis zur Sattelaufnahme. Die folgende Tabelle gibt Richtwerte für Stadt- und Trekkingräder mit Tiefeinstieg oder Trapezrahmen.
| Körpergröße | Innenbeinlänge | Rahmenhöhe Tiefeinsteiger | Rahmenhöhe Trapez |
|---|---|---|---|
| 150–160 cm | 70–75 cm | 44–46 cm (S) | 43–45 cm |
| 160–170 cm | 74–79 cm | 48–50 cm (M) | 47–49 cm |
| 170–175 cm | 78–83 cm | 52–54 cm (L) | 50–52 cm |
| 175–180 cm | 82–87 cm | 54–56 cm (XL) | 53–55 cm |
| 180–190 cm | 86–93 cm | 56–60 cm (XXL) | 56–58 cm |
Innenbeinlänge richtig messen
Die Innenbeinlänge ist verlässlicher als die Körpergröße, weil sie die tatsächliche Beinlänge erfasst:
- Ohne Schuhe und mit dünner Hose an die Wand stellen.
- Ein Buch oder Lineal zwischen die Beine bis zum Schritt schieben — fest, aber nicht unangenehm.
- Auf der Oberkante des Buchs den Abstand zum Boden messen.
Die Sattelhöhe berechnet sich als Innenbeinlänge × 0,885 (Faustregel nach Hinault/LeMond) — vom Tretlagermittelpunkt zur Sattelmitte gemessen.
Was die Rahmenhöhe beeinflusst
- Stand am Boden: Bei einem Damenrad sollten beide Füße bei anhaltendem Stopp den Boden ohne Vorbeugung erreichen können. Das geht nur, wenn der Sattel tief genug eingestellt ist — was bei sehr großem Rahmen nicht mehr möglich ist.
- Sitzhaltung: Größere Rahmen erlauben mehr Streckung, kleinere Rahmen mehr Aufrichtung. Stadtfahrt → eher kompakt; Tour → eher gestreckt.
- Lenkerstellung: Bei einem klassischen Damenrad steht der Lenker meist höher als der Sattel — ergonomisch entspannt für Hals und Rücken.